AI, Politik & Wirtschaft – und die Mitarbeiter*innen werden vergessen!

In einer kleinen Diskussionsrunde im Telefonica Basecamp wurde der aktuelle Stand der AI in Deutschland und Europa besprochen. Initiiert vom AI Hub Europe hat die Politik (Saskia Espen, SPD) mit Wirtschaft (Clemens Otto, BDI und Christian Schmidtchen, Telefonica DE) diskutiert, was wir eigentlich wollen.

Angekündigt war eigentlich eine Diskussion Richtung Verbraucherschutz, aber davon habe ich nur sehr wenig gemerkt. Zentrale Fragen für den Einstieg waren eigentlich die üblichen Verdächtigen: „Wem gehörten die Daten?“ Sowie die daraus resultierenden Fragen: „Welche Rechte, welche Pflichten?“

Ein paar Beispiele für den Einsatz von KI fand ich recht spannend:

  1. KI wird eingesetzt um Anomalien im Datennetz-Verkehr zu erkennen um dann präventiv eingreifen zu können. Ziel ist es, aufkommende Probleme vorher schon zu erkennen.
  2. Natürlich wird KI auch eingesetzt für analytische Aufgaben und optimiertes Marketing. In wie weit dies wirklich KI ist oder normale Datenanalyse, sei mal an dieser Stelle offen gelassen. Aber wenn KI außen drauf steht, klingt das cool und man ist modern und effizient.
  3. Gängiges Beispiel ist auf der Einsatz von KI im Kundensupport, zum einen als digitale Assistenten für den Kundenberater um Kunden bestmöglich zu helfen, zum anderen auch als schneller und allwissender Chat-Bot. Hier ist aber noch einiges zu tun und Menschen helfen immer noch stark, die Algorithmen und Probleme der Kunden besser zu verstehen.

Spannend fand ich die Aussage, dass in allen Ländern (für alle Sprachen) ganz neue Jobs geschaffen werden, die es vorher gar nicht gab. Linguisten und Sprachwissenschaftler und KI Experten etc. Was verschwiegen wurde, ist das Ziel, dadurch menschliche Kundenbrater und Telefon-Support so gering wie möglich zu halten. Hier interessiert mich eigentlich, ob es dafür keine menschlichen Mitarbeiter gibt, die diesen Job machen wollen, oder man diese Mitarbeiter einsparen möchte.

Ein weiteres überraschendes Statement war für mich, dass die KI nur in Zusammenarbeit mit dem Menschen richtig gut funktioniert. Das mag für den aktuellen Stand der Technik sicherlich gelten, aber in ein paar Jahren kann die KI auch gut autonom funktionieren. Da bin ich mir sicher.

Verwiesen wurde auf das „Daten Für Alle“ Gesetz (ist eigentlich ein Konzept) als Initiative der Politik (hier durch die SPD), wohingegen die Wirtschaft eher für die Kultur des (freiwilligen) Daten-Teilen einsteht. Aus Sicht der Wirtschaft tut sich vor allem der berühmte deutsche Mittelstand schwer, Daten zu teilen, spezielle Hersteller scheuen sich sehr, ihre Produktionsmaschinen zu vernetzen, denn deren Einstellungen und Konfigurationen sind deren Konkurrenzvorteile und Betriebsgeheimnisse. Und die Politik selbst sollte oder wollte ja eigentlich nach dem Prinzip der Open Data möglichst viel Online verfügbar stellen. (Natürlich keine personenbezogenen Daten). Es wurde zugegeben, dass wir da im Staate Deutschland noch nicht so sehr weit sind.

Wie zu erwarten ist immer noch ein Thema auch: Wo liegen meine Daten? Zugpferde sind hier die großen Konzerne, die sicherlich alles gut geprüft haben und kooperieren inzwischen mit Azure oder AWS. Dann denkt auch der kleine Mittelständler unter Umständen: dann wird das ja schon okay sein. Die europäische Datensouveränität oder auch digitale Souveränität ist ein Arbeitsfeld sowohl für die Politik auf europäischer Ebene als auch für die Wirtschaft. Eine Aussage der Politik hierzu ist von Frau Espen: Wir (also der Staat bzw. die Politik) sollten die Open Source Landschaft unterstützen.

Digitale Bildung

Zentrale Aufgabe der Politik ist die Ausbildung der nächsten Generationen. Was die Bildung machen muss ist aus Sicht der Anwesenden, lebenslanges Lernen zu vermitteln und die Menschen dazu befähigen, wie lernen geht. In Zukunft wird man nie ausgelernt haben, sondern muss sich immer weiterentwickeln und weiterbilden. Darüberhinaus werden andere Fähigkeiten immer wichtiger: Grundlegende soziale Kompentezen wie eine gute Kommunikation und die Zusammenarbeit in verschiedenen Rollen miteinander wird immer wichtiger. Es muss ausgebildet werden eine Art von Verständnis, wie die KI arbeitet. Man muss nicht programmieren können, aber verstehen, wie Computer, Algorithmen funktionieren und welche Rolle Daten dabei spielen.

Dies muss nicht nur im Informatik-Unterricht passieren, sondern in alle Fächer einfließen. Insbesondere die sozialen Kompetenzen sowie die digitale Recherche etc. Mehr Kollaborationen, weniger Einzelkämpfer-Denken.

Aus Sicht der Wirtschaft fehlen besser ausgebildete Menschen. Es fehlen die Fachleute, die ein gewisses Verständnis für aktuelle Themen wie KI mitbringen. Wissen und verstehen, was da grade passiert und digitale Kompetenzen als Grundverständnis ist eine wichtige Fähigkeit für alle. Telefonica hat das Glück, recht viele junge und dynamische digitale Natives zu bekommen, aber das gilt sicherlich nicht für alle Firmen.

Mein Gedankenanstoß: entwickelt endlich eure eigenen Mitarbeiter!

Wenn ich den Fachkräfte-Mangel höre, dann muss ich mich immer ein wenig ärgern. In vielen großen oder mittleren Firmen gibt es durchaus eine Menge Mitarbeiter. Einige sind schon älter und ich höre dann oft sowas wie: ich lerne doch jetzt mit 54 nichts neues mehr … oder vergleichbare Aussagen.

Natürlich ist es aufwändig und anstrengend, aber ich bin fest überzeugt, dass auch „Alte“ Mitarbeiter noch was lernen können und wollen. Der Mensch ist ja erstmal neugierig und experimentierfreudig. Aber auch ängstlich. Davor, etwas kaputt zu machen, Fehler zu machen, Bloß gestellt zu werden etc. Darin zeigt sich die Haltung und die Firmenkultur, die in vielen Jahren auf die Mitarbeiter übergeperlt ist. Neugier und Experimentierfreude wurde in der Erziehung und Bildung abtrainiert. Fehler wurden bestraft. Mach nix, dann machste auch nix falsch.

Hier muss die Organisationskultur, die Management-Ebene und die Unternehmung an sich ansetzen. Neugier und Experimentierfreude wiederbeleben. Lebenslanges lernen etablieren. Fehlerfreundlichkeit fördern. Kreativität belohnen und die Bereitschaft etwas neues zu lernen sowieso. Unternehmen sollten sich die Mühe machen, die Potentiale der bestehenden Mitarbeiter voll auszuschöpfen. Es finden sich bestimmt ein paar, die etwas ändern wollen. Und der Aufwand kann ja nicht viel größer sein, als neue zu finden, denn die gibt es doch gar nicht, oder? Meine Meinung 🙂 

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