Mit dem reißerischen Titel „Macht der Algorithmen“ hatte es die Data Night geschafft, mich in das wie immer vor Inspiration lodernde Telefonica Basecamp zu locken. (Tipp am Rande: Aboniert euch den Newsletter des Basecamps in Berlin, da gibt es immer wieder qualitativ hochwertige Veranstaltungen.

Mir fiel auf, dass der Begriff Algorithmus inzwischen tatsächlich negativ besetzt ist. Voll seltsam und komisch. Wir brauchen noch mehr Aufklärung dazu, was ein Algorithmus ist und dass wir Menschen davor keine Angst haben müssen. Digitale Bildung ist notwendig, immer und überall.

Sehr bewegend fand ich das Zitat (eingebaut in den Vortrag von Karl-Heinz Land), dass dies die Zeit der Monster sei.

Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster.

Antonio Gramsci

Antonio Gramsci war ein italienischer Kommunist und schrieb dies 1930, als er in Europa das auftreten der Faschisten beobachten musste. Sehr passend, finde ich. Übertragen auf heute ist die Alte Welt eben die Old Economy und das dämmern der New Work, Digitial Age, Künstliche Intelligenz und was auch immer da kommen wird und wie wir es nennen wollen. Dies ist also die Zeit der Monster, die uns allen Angst machen wollen. Eben vor New Work, den Ansprüchen der Digital Natives, der Generation X,Y,Z usw.

Dann wurde auch über die Black Swan Theory gesprochen. Hier geht es um sehr unwahrscheinliche, aber nicht total unmögliche Ereignisse. Schwarze Schwäne werden inzwischen in verschiedenen Bereichen als Metapher genommen für etwas unerwartetes, noch nie da gewesenes, aber eben nicht total unmögliches. In der Risikoanalyse spielt dieser Begriff bspw. eine Rolle.

Vieles in der Digital Transformation erinnert an Black Swans. Beispielsweise der Klassiker unter den unerwarteten Effekten der Wirtschaft: der Untergang des Weltmarktführers Nokia in wenigen Jahren, sowie die Probleme der Firmen Agfa und Kodak nach dem Boom der digitalen Fotografie.

In dem sehr guten Panel über die Macht der Algorithmen gab es (neben der überall zu spürenden German Angst vor IT) die guten Beispiele der Digitalisierung: Air B’n’B bietet heute anscheinend mehr Betten an, als jede andere Internationale Hotel-Kette. Uber hat mehr Fahrzeuge als jeder andere Anbieter und inzwischen in einigen Städten so gut wie alles andere verdrängt.

Anwendungsgebiete für künstliche Intelligenz wurden im Panel auch genannt. Besonders bemerkenswert fand ich die Idee, mit Drohnen und deren Kameras Hagelschäden automatisch zu erkennen und für Versicherungen daraufhin Kosten abzuschätzen. Drohnen-Kameras können auch ertrinkende Kinder frühzeitig erkennen, bereits bevor wirklich bedrohliche Situationen erkennen. In der Pharma-Industrie können mit künstlicher Intelligenz angereicherte Algorithmen die Nebenwirkungen von neuen Wirkstoffen und Arzneien simulieren und so kostspielige und gefährliche Versuche an Lebewesen (auch Menschen) reduzieren helfen.

Eine Wissensbasis (und somit auch Künstliche Intelligenz) kann Ärzten bei der Diagnose von Krankheiten helfen. Natürlich ist es hier sehr wichtig, dass die Ärzte mit dem Umgang dieser Systeme vernünftig geschult werden. Sie müssen verstehen, warum diese Diagnose gestellt wird und wie wahrscheinlich diese ist und welche Daten dafür erforderlich waren.

Ein weiteres Beispiel für künstliche Intelligenz, die jetzt schon überall angewendet wird ist die automatische Gesichtserkennung. Achtet beim hochladen von Bildern in die Cloud darauf, was mit den Bilddaten geschieht. Die Algorithmen der Cloud-Anbieter nutzen diese Daten unter Umständen dazu, ihre Algorithmen zu verbessern. Also die KI lernen zu lassen. Je mehr Bilder wir hochladen, um so besser werden diese KI.

Ein etwas lustiges, aber einfaches und einlleuchtendes Beispiel war die AI, die diskriminiert, weil die mit „verzerrten“ (engl. biased) Daten gefüttert wird. Das Beispiel lautet: Menschen mit größeren Füßen verdienen mehr. Freut mich erstmal mit Schuhgröße 46, aber dahinter steckt offensichtlich das Gender-Pay-Gap (Mäner haben im Durchschnitt größere Füße als Frauen) und die Tatsache, dass Erwachsene mehr verdienen, als Kinder. 

Das ist die Digitale Revolution.

Zum Abschluß fand ich noch das Statement bemerkenswert, dass guter Datenschutz zukünftig ein Wettbewerbsvorteil sein wird. Darüber muss ich noch nachdenken. 
Anwesend waren:

  • Karl-Heinz Land Digitaler Darwinist und Evangelist und Autor von dem Buch: Erde 5.0
  • Werner Ederer von IBM, Program Director Watson & Cloud Platform Development Lab Germany
  • Dr. Matthias Flügge vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS), Leiter Geschäftsbereich Digital Public Services beim 
  • Stefan Gelbhaar, Bündnis 90/ Die Grünen, MdB
  • Helge Lindh, SPD, MdB
  • Carla Hustedt von der Bertelsmann Stiftung, Project Manager „Ethics of Algorithms“ 
  • Moderation: Michael Neuber, Leiter Politik und Regulierung, BVDW


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