Ist Blockchain ein Hype? Schwer zu sagen. In der Digitalen Transformation sind die Innovationen so schnell und die Zyklen der existierenden Produkte und Anwendungen so kurz, dass sich diese Frage momentan gar nicht beantworten lässt. Ist es eine Revolution oder nur die Evolution der IT.

Insbesondere bei diesem aber sehr medienwirksamen Thema (ganz schnell ganz reich werden ist einfach geil und jeder will mit Bitcoins gern reich werden.)  gibt es spannende neue Ideen. Die Anwendungsfelder von Blockchain wachsen stetig und es gibt quasi täglich neue Ideen und Projekte.

An dem Diskussionsabend Blockchain-Event: Blockchain – Hype oder Revolution? am 25. Oktober 2018 im Telefonica Basecamp in Berlin gab es tolle Gespräche dazu. Anwesend waren unter anderem: 

  • Peter Großkopf, CTO Solaris Bank; 
  • Ric Ferrer Rivero, Gründer PEY
  • Florian Glatz, Präsident Blockchain Bundesverband
  • Miriam Neubauer Managing Director Catena Capital, Blockchain and Cryptocurrency Venture Capital & ICO Acceleration
  • Stephan Dörner, Chefredakteur t3n

Bemerkenswert fand ich die Aussage, dass zur Zeit Blockchain so ein Hype ist, dass (neue) Unternehmen, die irgendwas mit Blockchain machen, teilweise Geld haben und bekommen, ohne ein richtiges Business Modell. Insbesondere deshalb bemerkenswert, weil die Idee der Blockchain aus einer  sehr libertären, freien und autonomen Anarchie-Szene kommt ursprünglich und tatsächlich deren Idee war, die Finanzinstutitionen der Welt irgendwie abzuschaffen (wie auch immer). Dezentralisierung ist die zentrale Idee dahinter und das wird leider vergessen. Inzwischen ist es ein Hype Thema und viel Geld im Markt und den Firmen drin, ohne dass wirklich klar ist, was der use case ist.

Heute ist Bitcoin und Blockchain also Mainstream angekommen. Auch Bildzeitungsleser haben schon davon gehört. Die Komplexität der Anwendungen ist momentan noch zu hoch, auch wenn inzwischen große Fortschritte bei der Usability erzielt wurden. Es ist dennoch ein weiter Weg, bis wir wirklich greifbare und für die Bildzeitungsleser brauchbare Anwendungen haben.

Auch hier findet sich wieder die klare Aussage: Wir brauchen digitale Bildung. Die Komplexität ist hoch und kann schwer versteckt werden und selbst wenn uns das gelingt, sollte jeder irgendwie verstehen, was dahinter steht und wie das funktioniert. Nagut, nicht wie es funktioniert, aber irgendwie eine zumindest abstrakte Idee haben, was das ist. Frag mich nicht wie, dass weiss ich auch noch nicht.

Zurück zum Ansatz der Blockchain (und Bitcoin) Momentan haben wir ein zentrales Bankensystem: Der Benutzer (also wir) geben Verantwortung ab. Das Finanzsystem an sich ist der Treiber und wir haben nix zu melden, sondern müssen uns unterordnen. So der Blockchain Gedanke bzw. die Sichtweise der Akteure ursprünglich dahinter. Daher: Dezentralisiert dieses (klassische Idee der IT eigentlich). Der Benutzer bekommt seine Eigenverantwortung, dazu muss aber momentan noch einiges verstanden werden. Insbesondere, was das bedeutet. Das ist noch sehr komplex. zu Komplex.

Parallel entwickelt sich eine Geek-Economy. Dies sind die neuen und modernen Dienstleistungen. Die sind nur noch zugänglich für technisch versierte Menschen und umgekehrt können technische firme Menschen eben über uber, etsy, eBay, AirBnB usw gutes Geld verdienen.

Interessante Erkenntnisse für mich waren, dass dieses Mining, was bei Bitcoin so aufwändig ist (deswegen sind die Grafikkarten-Preise so hoch, weil darauf Bitcoin geschürft wird) nicht mehr letzter Stand der Technik ist. Es gibt sogenannte Konsens Algorithmen, die  inzwischen nicht mehr so Energie verbrauchend sind. Mining in der klassischen Form gibt es mit modernen Algorithmen nicht mehr.

Spannende Anwendungsszenarien wurden an dem Abend genannt, hier eine kleine Auswahl, die mir hängen geblieben ist: Globale Handelslieferketten brauchen unveränderliche Transparenz. Dafür ist Blockchain ideal. Das IoT (Internet of things) braucht ein dezentrales Denkmodell und eine Blockchain ist prädestiniert dafür. Zukünftig kann vor allem der digitaler Wertpapierhandel über die Blockchain-Technologie abgewickelt werden, während die reine Cryptowährung nach Meinung der Teilnehmer der Diskussion kein Zukunftsmodell ist.

Auch bezüglich Datenschutz gab es interessante Aussagen: Blockchain ist vor allem auch Transparenz. Erstmal jedenfalls. Das ist dann ein Problem auch für die Wirtschaft, denn jeder kann alles lesen. Theoretisch zumindest.


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