Ertappt und überrumpelt und gleichzeitig glücklich, dass es so auf den Punkt gebracht wird, lese ich den Artikel von Sascha Lobo hier:

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/die-zornigen-zwanzigerjahre-progressive-gegen-konservative-a-1303282.html

Ich kann die Sichtweise und Erklärung dessen, was gesellschaftlich (in meiner Blase) grade passiert durch diesen Artikel echt gut nachvollziehen. Ich finde mich da wieder, als jemand, der in den 80ern wirklich „Die Schnellsten Super-Cars“ als Quartett auswendig konnte und nun mit Fridays-For-Future-Kindern zusammen die Medien konsumiert, am Strand Plastik sammelt und sein Auto abgeschafft hat. Letzteres ist leicht zu realisieren in Berlin, der Hauptstadt des Car-Sharings. In der ostfriesischen Heimat kann ich cool damit angeben, wie viele Elektro-Golf’s, Bulli’s und Crafters, sowie Mini-Cabrios mir täglich zur Verfügung stehen. Für den alten Kumpel, der täglich von Neermoor 40 Minuten quer übers Land zur Arbeit fährt, funktioniert das (noch?) nicht. Schon eher für den Leeraner, der lieber 10 min. mit dem Auto durch die Stadt zur Arbeit fährt als 6 min mit dem Rad, weil er hinterher noch zum Einkaufen möchte … und irgendwas einkaufen muss man ja fast täglich. Da spürte ich Car-Shame.

Wie weit das noch gehen wird, dieses umweltbewusste Umdenken, dass bestimmt nicht alle Boomer und GenX mitmachen, weiss ich nicht. Ich hab nun meine Plastik-Zahnbürste durch eine Holzzahnbürste ersetzt … bzw. per Geschenk ersetzen lassen. Das finde ich etwas übertrieben, zumal ich meine Plastik-Zahnbürsten pfleglich behandel und sicherlich viel zu lange benutze. Plastikflaschen-Cremeseife zum Händewaschen abzuschaffen ist da schon eher sinnvoll. Jeder soviel „personal greenwashing“ wie er mag.

Sehr pointiert fand ich diese Formulierung in dem Artikel (…es geht nicht um gesellschaftliches Fortkommen und Weltverbesserung, ):

Sondern um die Gesichtswahrung von Holozän-Menschen, die eher die Realität umdeuten werden als zuzugeben, dass sie ihr Leben zwischen Jahreswagen-Kombi und 20-Uhr-Fernsehnachrichten an nicht mehr haltbaren Maßstäben ausgerichtet haben.

Es ist mir plötzlich aufgefallen, dass alle konfliktgeschwängerten Gespräche mit meiner altersgleichen Bezugsgruppe von Freunden, Bekannten und Verwandten sich eben um dieses Thema dreht. Toll.

Wie kann ich das nutzen: Explizit machen und meine eigenen Fehler eingestehen und dass ich tatsächlich ein schlechtes Gewissen habe und es persönlich mache. Ich-Botschaften und klar machen, dass es mir um meine Erkenntnis geht und nicht um einen Angriff: Du machst das falsch und musst dich ändern.

Danke, Herr Lobo!

Anmerkung: dieser Blog-Post erschien zuerst bei LinkedIn als Artikel


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